Fliegen heißt Starten

Der Vorteil vom Vereinsdasein wurde mir gestern bereits sehr klar. Ein sehr familiäres Umfeld umgibt einen in der Sekunde, da man vorgestellt wird. Ein rundum schönes Gefühl unter Menschen zu sein, die die selbe Leidenschaft teilen: die Fliegerei. Heute wurde ich Stammgast im Äther.

Ich habe unheimlich gut geschlafen, in der letzten Nacht. Ich bin sogar früh aufgewacht, nahezu unproblematisch. Die Vorfreude war riesig: Heute geht es wieder zum Verein. Ich kenne die Leute dort kaum länger als Nachmittag. Das Segelfliegen kenne ich noch weniger. Und doch zieht es mich dorthin. Flugfieber wird dieses Phänomen genannt. Was klingt, wie eine ernsthafte aeronautische Erkrankung, ist jedoch das schönste Gefühl überhaupt. Liebe zum Himmel, könnte man es nennen und doch gibt es keine Worte, die tatsächlich bezeichnen, was für Gefühle einen in diesem Moment durch den Kopf fahren, wenn man daran denkt. Herrliche Gedanken, die endlich auch meinen Morgen ausfüllen.

Das Wetter heute ist wesentlich freundlicher, verglichen mit dem gestrigen Tag. Der Betrieb ist reger. Die Flugzeuge werden ausgeräumt. Einige Mitglieder des Vereins haben sich heute eine große Aufgabe gemacht: Einmal um Hamburg fliegen. Im Segelflugzeug, ohne Motor. Die Thermik nutzen, die Luft genießen. “Das wahre Fliegen” so wird es genannt, von denen die es betreiben. Und viel ist daran.

Noch bevor alle Segelflugzeuge aus dem Hangar geräumt wurden, treffen Thomas und ich einen Motorsegler, einen Freund von Thomas, selbst seit Jahren im Verein. Gestern bereits hat er mir in Aussicht gestellt, ich könne mal mitfliegen. Heute soll auch das wahr werden. Die Vorfreude steigt.

Und tatsächlich fliegen wir heute zusammen. Früher als gedacht. Kaum dass ich am Segelflugstart angekommen war, bot er mir an mit ihm Segelzufliegen. Das lasse ich mir kein zweites mal sagen: Das ging schnell. Diesmal sitze ich hinten, als Passagier. Wieder raubt der Start mir den Atem, nach wenigen Sekunden kommt dann dieser selbe unbeschreibliche Stoß der Freude. Man muss es wirklich erlebt haben um zu verstehen, welchen Spaß so ein Fliegen machen kann.

Heute mache ich Fotos. Das habe ich mir vorgenommen und das habe ich auch getan. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Doch all die Bilder geben der wahren Emotion keine Beschreibung. Es ist das wahrhaftig unbeschreibliche, was die Fliegerei ausmacht und was die Faszination schafft. Die Fliegerei hat es mir angetan. Das kann mir sobald keiner mehr nehmen.

Liebe Leser, so sieht ein Segelflugzeug von innen aus. Wie es sich anfühlt – das muss jeder selbst erleben
Die Instrumente in einem Segelflugzeug sind im Grunde Selbsterklärend. Es fehlt lediglich der Drehzahlmesser. Den haben Motorlose Flugzeuge nicht.
Es scheint, als würden Himmel und Flugzeug eins werden. Allein diese Reflexion deutet an, was emotional schon längst Tatsache ist.

Ja, es ist immer wieder etwas besonderes. Vorallem, wie ruhig es in so einem Flugzeug sein kann. So ruhig ist es, wenn kein Propeller dich nach vorn pustet, sondern das Flugzeug geschmeidig seinen Weg durch die Luft findet. Aufwinde nutzt und schwebt. Einmalig. Sicher sicher, die Perspektiven aus der Luft sind mir schon altbekannt. Aber in der Erinnerung an einen solchen Flug bekommen alle Bilder ihren persönlichen Charakter. Der in seiner Einmaligkeit unendlich scheint.

Zwei mal bin ich heute im Segelflugzeug geflogen. Danach ging es zur Besichtigung der Winde. Ausgerechnet in dem Moment als wir dort ankamen, verhedderte sich nach dem Start das Windenseil. Keine Problematik, keine Seltenheit aber lästig umso mehr. Thomas und ich halfen nach bestem Können (hiervon hatte Thomas definitiv mehr) beim entknoten des Seils.

Noch während wir daran arbeiteten rief mich per Funk der Motorsegler zu sich.

lEs sei Zeit zu fliegen. Ich wurde zum Hangar gefahren und machte meine erste Bekanntschaft mit einem Motorflugzeug, das fernab der UL Klassifizierung lag.

So sehen die Instrumente im Motorsegler aus.

Mächtig sah der Motorfalke aus. Die große Spannweite und der Verstellpropeller versprechen eine Sagenhafte Steigleistung. Wir flogen über Hamburg, der Elbe entlang. Eine schon bekannte strecke. Doch die Schönheit dieser Perspektive ist noch immer unverändert. Ich machte ein paar Fotos. viele davon misslungen mir. Manches ist eben für den Moment bestimmt.

Wieder auf dem Boden angekommen – wenn auch nur für kurze Zeit – ging es wieder zum Segelflugstart. Ich sah mir verschiedene Modelle an. Die meisten waren entweder sehr alt – oder eben sehr neu. Es ist beeindruckend, wie lang solche Flugzeuge halten. Wenn man sie schonend behandelt – und das werden die Segelflugzeuge allemal – dann reichen sie locker ein ganzes Leben. Oder zwei.

Am Nachmittag dann flogen Thomas und ich noch einmal hinaus. Diesmal richtung Nord-Ostsee Kanal. Einem Konstrukt, das mir aus dem Geografieunterricht durchaus bekannt war. Das ich aber in der Realität noch nie gesehen hatte. Aus der Luft sowieso nicht. Ein wichtiger Kanal für die große Schifffahrt. Doch ist er so eng, dass die Verkehrsschiffe nur von Schleppern und speziel eingewiesenen Kapitänen über den Kanal manövriert werden dürfen. Ein logistisches Abenteuer.

Der Nord-Ostsee Kanal und die Schleuse. Eine infrastrukturelle Entlastung für den internationalen Handel und zeitgleich eine neue logistische Herausforderung

Thomas weiß viel über Hamburg zu erzählen. Der Rundflug hat einen erstaunlich hohen Touristischen Mehrwert. ich bin nach Hamburg gekommen in dem Wissen, dass die Stadt existiert. In de Tagen jedoch wurde meine Kenntnis um die Stadt und die Gegend hier wesentlich erweitert.

Morgen wollen wir – sofern das Wetter mitspielt – nach Magdeburg fliegen. Damit wird mein Aufenthalt bei Thomas fürs erste beendet sein. Thomas hat mir angeboten, am ersten August Wochenende nach Wyk zum FlyIn mitzukommen. Eine verlockende Einladung, der ich nicht abgeneigt bin. Bis es soweit kommt gehen allerdings noch einszwei Tage ins Land. Es bleibt zu hoffen, dass das Wetter so freundlich bleibt wie bisher.

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