Anfliegen 2019

Hach wie schmerzlich trifft es jeden Flieger, wenn er in diesen Tagen seinen Blick gen Wetter(bericht) wendet. Ich selbst kenne es inzwischen leider auch nur all zu gut, das Gefühl bei bestem Wetter im Büro zu sitzen, den Blick gen Himmel und vielleicht ein wenig träumend, während die Vorschau fürs Wochenende immer und immer wieder unfliegbare Prognosen wirft. Wider aller Vernunft haben sich dennoch zwei Tapfere Flieger auf ein Treffen in Uetersen Heist verabredet. Die ominösen Herren Schmuel und Thomas trafen sich an diesem Wochenende um zu schauen was so geht. Und es ging eine Menge!

Wetter und Wetterberichte

Wetter und Wetterberichte könnten unterschiedlicher nicht sein! Am Vorabend noch die Prognose gecheckt: Mit etwas Glück würden wir am Wochenende zum Fliegen kommen. Zwischen den Schauern liegen vielleicht ein paar Gelegenheiten um sich in die Kiste zu setzen und loszufliegen. Wenngleich gegebenenfalls nur für kurze Dauer. Angesichts des Umstandes, dass ich das ganze Jahr noch gar nicht geflogen bin, kam mir diese Perspektive auch recht. Beeindruckend, wie schnell man den Himmel vermissen kann wenn man ihn die ganze Zeit nur von unten Betrachtet.

Aber, aber! Als wir am Samstag erwachten – bereits in Erwartung eines völlig wolkigen und leicht regnerischen Tages – da lachte uns die Sonne nur so ins Gesicht, dass es eine Freude war! Also Planänderung: Das Wochenende verspricht dem Boden sehr viel ferner zu bleiben als zuvor vermutet! Und zur Krönung all dessen erwartete mich die C22 im Hangar mit eins zwei tollen neuen Gadgets

Technik und Technik

Wenn man sich etwas länger mit einem Gerät wie der C22 auseinandersetzt – allein wer es so weit schafft muss ein sehr bastelfreudiger Mensch sein – wird man bald auch der Versuchung nicht lang standhalten das Ding im Rahmen seiner (meist nicht seiner eigenen sondern eher der des Fluggerätes) Möglichkeiten zu verschönern. Nun kam die C22 von Thomas auch nicht unbedingt aus besten Händen und gab es aufgrund diverser Umstände auch schon einen etwas größeren Wartungsbedarf. Doch trotz seiner inzwischen längst wieder hergestellten Flugfähigkeit genießt die C22 unter der Obhut von Thomas eine kontinuierliche Verbesserung. So hat er aufgrund diverser Erfahrung mit hohem Spritverbrauch einen Verbrauchmesser organisiert, der mit seinen weitreichenden Funktionen einen digitalen Überblick sowohl über den Aktuellen Benzinstand als auch – viel interessanter – über den Momentanverbrauch verschaffen soll. Erprobt haben wir dessen Funktionalität natürlich in unseren ausgiebigen Flügen. Und wie praktisch so ein Gerät doch sein kann: Wäre die Aussicht nach draußen nicht so viel schöner und eindrucksvoller, ich würde vermutlich mit meinen Blicken nur am Instrumentenbrett hängen und die Zahl beobachten, die auf ein Zehntel genau den Momentanverbrauch angibt. Super praktisch, so ein Durchfluss-Sensor. Besonders wenn man bedenkt, was bei einem Rotax nicht alles passieren kann…. Oder schon passiert ist?

Doch ist der Durchfluss-Sensor nicht die einzige technische Errungenschaft, die mir dieses Wochenende präsentiert wurde. Nein, es gab noch eine weitere Anschaffung: Eine kleine Actioncam, mit der wir unsere Flüge filmisch dokumentieren können. Deshalb präsentiere ich nun stolz eine Schmueltimedia Produktion mit Mitschnitten unseres Wochenendes (Anmerkung von Schmuel aus der Zukunft: Diese Mitschnitte zu schneiden und zu rendern nimmt wesentlich mehr Zeit ein als erwartet. Sie sind der einzige Grund, weshalb der Eintrag so peinlich verspätet erscheint. Aber wenn ich alles richtig gemacht habe sind sie vielleicht auch der Grund, dass ihr, werte Leser, mir diese Verzögerung verzeiht.)

Hier die schönsten Eindrücke der aufgezeichneten Flugzeit

Fazit – lohnt der Luxus?

Das modernisieren von Flugzeugen ist und bleibt wohl immer ein wichtiges Element vieler Diskussionen in der Fliegerei. Besonders die UL-Gemeinschaft ist sehr gespalten: Soll fliegen nun so natürlich wie möglich – und damit am unteren Limit der technischen Möglichkeiten – umgesetzt werden oder ist eine Investition in das ein oder andere Gerät durchaus Sinnvoll?

Auf unserem Weg zurück nach Uetersen trafen wir auf zwei Fliegerkollegen, die im Motorgleitschirm unterwegs waren. ‘Neumoderner Schnickschnack’ haben sie sich sicher in Anbetracht unserer High-End C22 gedacht

In der Flugschule und auch in Thomas C22 finden sich derweil noch viele analoge Uhren. Die aber fallen gern mal aus oder bringen die ein oder andere Macke mit sich. Sie sind überdies bei verschiedenen Lichtverhältnissen mal besser und mal schlechter abzulesen. Die Displays der Digitalen Messgeräte sind Hintergrundbeleuchtet und funktionieren damit in verschiedensten Lichtverhältnissen. Ein klares Pro für die digitalen Uhren. Es ist sicherlich absolut kein Muss, aber wer die Mittel dazu hat, diese Aufwertung einmal auszuprobieren wird danach kaum darauf verzichten wollen. Im Ende ist dies aber Geschmackssache

Was das anschaffen eines Durchfluss-Sensors angeht bin ich jedoch absolut Überzeugt davon, dass es eine der sinnvollsten Anschaffungen überhaupt ist. Besonders, wenn man nur eine Analoge Uhr für den Spritstand hat und die Sicht zu den Kanistern verdeckt ist. Niemand lässt sich gern von unerwartetem und vorallem unerkannten hohen Sprittverbrauch überraschen.

Trotz alledem:

Aller Technik zum Trotz bleibt die pure Freude am Fliegen doch am größten. An den zwei Ausflugstagen hatten wir bei fabelhafter Sicht auch ein wenig Nebel, der die Landschaften verzauberte.

Life-Hack: Sprit sparen beim Landen

Als kleiner Bonus hier ein Life-Hack zum umgehen eines Problems, das jeder Pilot irgendwie kennen wird: Steigende Benzinkosten und Hoher Spritverbrauch. Inzwischen wurden auch die Benzinpreise am Flugplatz Uetersen-Heist erhöht. Ein gar zu ärgerlicher Umstand, vielleicht sogar einer der größten Kostenfaktoren in der Fliegerei. Bei der Erprobung des neuen Durchfluss-Sensors haben wir eine erstaunliche Feststellung gemacht: Je weniger Gas man gibt, desto weniger Sprit schluckt der Motor! Nach reiflichen Untersuchungen können wir nun auch feststellen, dass der Verbrauch bei ziemlich exakt 0l/h liegt, wenn man den Nervigen Motor einmal ausstellt. (Tipp von Profis: wir haben das vorher mit dem Tower abgesprochen. Das ist generell empfehlenswert – auch wenn wir unsere geheime Absicht Sprit damit zu sparen nicht genannt haben.) Bei einem solchen Manöver gilt es aber äußerste Konzentration zu wahren. Am allerwichtigsten sei vorher die Warnung ausgesprochen, dass es zu unerwarteter Stille und im Falle der C22 zu sogar verbesserten Flugeigenschaften als im Leerlauf kommen kann! Wer also auf das good-old 5 m/s Sinken der C22 steht, sei vorher darauf hingewiesen, dass er davon weichen muss.

Um das an der Stelle noch einmal aufzulösen: Thomas und ich sind sehr Behutsam an das Thema Motorloses fliegen in der C22 herangegangen. Haben alles mit der Flugleitung abgesprochen und haben uns schrittweise an das Verhalten der C22 herangetastet: Erst aus sicherer Höhe im Leerlauf fliegen, dann wieder höhe gewinnen, in sicherer Höhe den Motor ausschalten das Flugverhalten ergründen und den Motor wieder anschalten – das alles natürlich immer in Flugplatznähe um in jeder Situation ein Landefeld in der Nähe zu haben. Anschließend Landungen im Leerlauf und als großes finale dann das Landen ohne Motor. Es ist schon ein komisches Gefühl, in der Kurve zum Endanflug keinen Horizont mehr zu sehen. Spätestens an dieser Stelle ist das Fliegen nach Horizontbild eine durchaus unmögliche Angelegenheit. Doch auch bereits beim Ausschalten des Motors bleibt man mit einem Auge immer auf dem Fahrtmesser. Wenn man nämlich an Fahrt verliert… dann begibt man sich ganz schnell in gefährliche Fluglagen.

Abschließend kann ich dazu nur sagen, dass ich der Auffassung bin, dass es unbedingt sinnvoll ist, sein Flugzeug in dieser Situation kennenzulernen, denn davon überrascht zu werden ohne vorher jemals gewusst zu haben, wie sich das Ding ohne Motorleistung verhält ist ein sehr unliebsamer Gedanke.

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