Fly-in in Wyk auf Föhr

So ein Flugfest ist eine schöne Sache. Als Fußgänger habe ich schon zwei davon besucht. Eines in Dänemark und eines in Möckern. Als Pilot ist es nochmal etwas anderes. Besonders dann, wenn man nach Wyk fliegt.

Der Flugplatz in Wyk hat unter Piloten einen sehr guten Ruf. Bekannt ist er dafür, dass der Funk dort sehr freundlich abläuft. Der freundlichste Türmer Deutschlands sitzt dort, so sagt man. Auch bekannt ist der Platz für sein jährliches Flugfest. Heute sind wir mit unserem DIY Caraplane unterwegs dorthin.

Ich habe bisher erst einen Überlandflug mit der C22 absolviert: Von Uetersen über Kunrau nach Magdeburg. Wobei ich die letzte Etappe aus anderen Gründen in einem anderen Flugzeug verbracht habe… Heute geht es darum zu schauen, ob ein Überlandflug auch ohne Probleme durchzuführen ist. Eins steht jedoch schon bei den ersten Kilometern fest: Die Aussicht aus den neuen Scheiben ist unbeschreiblich! Sicher, ich bin ein wenig geblendet von der Eigenleistung, aber unabsprechbar ist, dass es mit den alten Scheiben wesentlich anders ausgesehen hätte.

Aus den Scheiben schauen wir hinunter. Wir fliegen die Elbe entlang, richtung Nordsee. Überfliegen dabei das Gelände des Wacken Festivals. Was für ein Anblick! Selbst war ich noch nie auf einem solch riesigen Event, auch aus der Luft nimmt die Fläche gewaltige Ausmaße an. Es ist gewaltig. Ich oute mich beim Überflug, dass ich bis zu dieser Sekunde nicht wusste was geschweigedenn wo das Festival ist. Anscheinend jedoch ist es wohl unter den größten Heavy-Metal Festivals die man auf diesem Planeten finden kann. Von oben absolut beeindruckend. Wie es unten im Matsch aussieht, will ich aber lieber nicht wissen. Kein Fall für mich.

Wir fliegen weiter Richtung Nordsee, nehmen bald Kurs auf Sankt Peter-Ordingen zum Zwischenlanden. Vor Ort wartet bereits ein alter bekannter auf uns, der Crosswind. Ziemlich böig, beachtliche Stärke.. die Landung gelingt dennoch. Bis hierher, nach Sankt Peter-Ordingen war der Überlandflug sehr unproblematisch. Innerhalb des Gleitwinkels der C22 befand sich immer eine mögliche Landefläche. Wir tanken und besprechen das vorgehen für die nächste Etappen. Wyk liegt auf der Insel Föhr. Es ist unumgänglich, dass wir nun also Teile der Nordsee überfliegen werden.

Auch wenn es noch so unwahrscheinlich scheint, dass wir Probleme mit dem Motor, beispielsweise mit den Vergasern (kommt eigentlich nie vor) bekommen, halten wir auch bei diesem Flug die Route so, dass auf dem Weg nach Föhr immer eine Insel innerhalb des Gleitbereichs liegt. Dass so eine Sicherheit viel Wert ist, würde ich inzwischen in keiner Sekunde anzweifeln. Sicherheit und Verantwortung sind die wichtigsten Träger der Fliegerei.

Angekommen an Insel Föhr, gelandet in Wyk, ist das Flugfest bereits im vollen Gange. Wir sind am Samstag angereist, viele sind jedoch bereits schon seit Freitag dort. In der Platzrunde ist einiges los. Wir reihen uns ein. Ein Helikopter lässt uns vor, hängt uns im Endanflug dann aber im Nacken: Oft wird das Tempo der C22 falsch eingeschätzt… lässt sich aber nicht ändern. Auch die Landung hier verläuft Reibungsfrei. der Türmer gibt uns alle Rollinformationen und zum ersten mal in meinem Leben folge ich nun mit einem UL einem Follow-Me wagen.

Erst während uns unser Stellplatz zugewiesen wird, erkenne ich die Dimension dieses Flugfestes. Wyk hat zwei Bahnen. Eine verläuft in Ost West Richtung die andere in Nord-Süd Ausrichtung. Auf beiden Seiten beider Bahnen stehen die Flugzeuge und Luftsportgeräte Tragfläche an Tragfläche aufgereiht. Personen überqueren heiter nach eigenem Ermessen die Start und Landebahn um vom Stellplatz Richtung Hangar zu gelangen.

Wir stellen die C22 auf dem uns zugewiesenen Platz ab und schauen uns die anderen Flugzeuge an. Das FlyIn in Boll wird ein UL-Flyin sein. Hier auf Föhr sehen wir hingegen Flugzeuge aller Klassen. Ein schöner Anblick. Einige Exemplare treffen meinen Geschmack, andere weniger. Zu gucken gibt es aber überall.

Allmählich begeben wir uns nun aber Richtung Hangar und anschließend Richtung Meer. Ja, vom Boden hat es auch seine ganz eigene Perspektive. Wenn man dort steht, an der Küste und über das Meer schaut, da merkt man erst, welche Ausmaße die verbrachte Reise hatte: Die Inseln, die wir überflogen haben, kann man von der Küste aus schon nicht mehr sehen. Nur die Dörfer auf künstlichen Hügeln erscheinen als Silhouette am Horizont. Eine omische Vorstellung, darübergeflogen zu sein. Der Wind frischt auf: Wir beschließen zur C22 zurückzukehren, sie mit dem Tie-Down Kit festzuankern und uns die restlichen Flugzeuge anzusehen. Auf dem Weg zurück zum Flugplatz treffen wir eine Gruppe anderer Piloten, gemeinsam und im Gespräch geht es zum Platz.

Wir trennen uns vorerst von der Gruppe: Die C22 braucht dringend die Erdanker, sonst besteht Gefahr, dass mit Ihr auch unsere Stimmung kippt. Das will man nicht herausfordern. Zu unserer Freude und Erleichterung steht das Flugzeug doch noch genau dort und genau so, wie wir sie abgestellt haben.

Auf dem Weg zurück zum Hangar schauen wir uns noch die restlichen Flugzeuge und Luftsportgeräte an. Viele Leute haben sich ihre Zelte direkt neben dem Flugzeug aufgebaut. Eine schöne Idee, die Symbiose aus Flug und Campingplatz.

Ein paar kreative Köpfe waren auch dabei ein Pilot nutzte die Tragfläche seines Flugzeuges als Grundlage für sein Zelt und sparte sich somit die Arbeit, alle Zeltstangen aufspannen zu müssen. Ein anderes Flugzeug beeindruckte uns dann noch mehr: Auch eine C22, doch wurde der gesamte verfügbare Raum zum Lagerraum umgebaut. Wir treffen den Piloten, unterhalten uns gut. Er hat sogar den Schwanz zum Kofferraum umgebaut, indem er eine Öffnung hineinschnitt. Ziemlich kreative Idee, Thomas spielt schon mit dem Gedanken, auch an seiner C22 ein ähnliches Konzept umzusetzen. Piloten treffen und Ideen austauschen, das scheint das wunderbare Herzstück des FlyIn zu sein.

Am Abend, gegen 19 Uhr wurden dann alle Leute vom Platz gebeten, die nicht mit dem Flugzeug angereist sind. Dem Rest bot man eine Erstklassige Hangarparty. Grillgut und Salate, ein DJ und eine Tanzfläche erwarteten die Fluggäste im Hangar. Und all das gegen eine freiwillige Spende. An dieser Aktion machen die Veranstalter sicher keinen Gewinn. Aber die Atmosphäre war unbeschreiblich positiv und familiär. Wir treffen wieder auf die Gruppe von heute Nachmittag setzen uns dazu, tauschen unterschiedliche Erfahrungen und Anekdoten aus. Es war ein wunderschöner Abend.

Allein konnte der Abend übertroffen werden, von der ruhigen und anfangs sternenklaren Nacht. Wir gingen zum Flugzeug, bauten das Zelt gar nicht aus, sondern schliefen unter freiem Himmel auf unseren Isomatten, unter der Tragfläche. Es wird schon nicht regnen.

Ich kann das Gefühl nicht wirklich beschreiben, unter einer Tragfläche aufzuwachen. Es hat etwas merkwürdig vertrautes, aber auch vollkommen neues an sich. Ich denke, dies ist eines der Dinge, die man niemandem beschreiben kann, der es noch nie getan hat und jedem, der weiß wie es ist, keine Erklärung schuldig ist.

Der Morgen weckte uns auf, gab uns genügend Gelegenheit auszuschlafen bis wir schließlich aufstanden und uns richtung Frühstück begaben. Denn ja: Auch dafür wurde natürlich gesorgt. Für ein absolut bescheidenen Preis erhielten wir frisches Rührei, Brötchen, Konfitüre, alles was das Herz und den Magen freut wurde Heut den Piloten geboten. (Auf den Reim bilde ich mir nichts ein.)

Zum Abschied von der Insel spazieren wir noch ein bisschen an der Nordsee herum. Die Luft ist klar, die Sicht ist schön. Ich schaue hinaus auf die See, in Gedanken schon daran, dass unser Weg uns sehr bald in genau diese Richtung führen wird. Während wir so am Strand spazieren  starten regelmäßig Flugzeuge vom Flugplatz aus über unsere Köpfe hinweg in genau die gleiche Richtung die uns auch bald nach Hause leiten soll.

Kaum dass wir selbst starten, finden ein paar Tropfen ihren Weg zu unserem kleinen Flugzeug. Nichs bedrohliches im Gegenteil: Die Tropfen bergen eine Gewisse Schönheit. Wir nehmen wieder Kurs auf, nach Sankt Peter-Ordingen. Unser Verbrauch ist recht hoch. Das liegt jedoch diesmal an den nicht richtig eingestellten Leih-Vergasern von Rotax. Die Mühe, das richtig zu kalibrieren sparen wir uns jedoch. Da tanken wir lieber ein mal mehr.

Der Wind ist diesmal noch stärker als gestern. So stark ist er, dass ich im Flugzeug bleiben muss und mit Kraft meiner Beine versuchen muss zu verhindern, dass das Flugzeug vom Wind ins rollen gerät. Die Bremskraft der Radbremsen reicht nicht mehr aus. Eine unheimliche Erfahrung. Thomas beeilt sich beim bezahlen, ist bald wieder da und es geht weiter. Weiter auf nach Uetersen!

Die Sicht ist wirklich optimal. Ob das am Wetter liegt oder an den Scheiben… ich habe meine Meinung gebildet. Vermutlich sind beide Umstände nicht unbeachtliche Faktoren. Als wir landen in Uetersen schauen wir zurück auf eine Reise, die vermutlich kaum in Worte zu fassen sind. Dies soll ein Versuch sein, in Ansätzen zu beschreiben wie es war.

Ein ungehörter Dank sei an dieser Stelle ausgesprochen an all die Personen am Flugplatz Wyk, die gemeinsam dieses Fest ermöglicht haben. Mein erstes FlyIn, auf der Seite der Piloten. Eine wunderschöne Erfahrung, die meine Vorfreude auf Boll nur steigern konnten.

In ein paar Tagen werde ich mit meiner regulären Flugschule fortfahren können, dann geht es endlich weiter in Richtung Soloflug!

Bis dahin einen guten Flug all jenen, die bereits Piloten sind!
Schmuel

Regentropfen, die ans Fenster klopfen….
Kurz nach dem Start bekommen wir ein ganz klein wenig davon ab.

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